Wichtigstes Ziel der Getreidezüchtung war und ist es, bei den klassischen Arten mit neuen Sorten die Eigenschaften und den landeskulturellen Wert zu verbessern. Daneben hat es immer wieder Versuche gegeben, durch Kreuzung von Kultur- oder Wildarten deren Vorteile in Hybridpflanzen zu kombinieren. Triticale ist aus einer solchen Kombination hervorgegangen: aus Weizen und Roggen.

Triticale: Durum x Roggen

Triticale ist aus einer zuerst vor etwas mehr als 100 Jahren durchgeführten Kreuzung aus Weizen und Roggen hervorgegangen. Seine Bezeichnung als Hybridart ist eine Kurzwortkreation aus den botanischlateinischen Namen der beiden Elternarten Weizen (triticum) und Roggen (secale). Die modernen „sekundären“ Triticalesorten sind Kreuzungen aus Hartweizen (Durum) und Roggen, wobei auf Züchtungsumwegen durch Rückkreuzungen auch D-Genom-Sequenzen des Weichweizens in den Genpool der Zuchtlinien hineinkombiniert werden konnten.

Triticale vereint positive Eigenschaften von Weizen als „Mutter“ bei Ertrag und Rentabilität sowie von Roggen als „Vater“ bei Bodenansprüchen, Winterhärte und Krankheitsresistenzen. Besonders in den klimatisch weniger günstigen europäischen Mittelgebirgslagen ist daher Triticale für die Landwirtschaft interessant, neuerdings auch als Zwischenfrucht und zur Ganzpflanzensilage. Die durchschnittlichen Hektarerträge von 60 Dezitonnen liegen auf halbem Wege zwischen Winterweizen und Roggen. Weltweit werden jährlich zwischen 13 und 16 Mio. Tonnen geerntet, davon fast die Hälfte in Polen und Deutschland als den führenden Triticaleländern. Bei uns sind die Anbauflächen über alle vier BLE-Regionen (Nord, Ost, West, Süd) recht gleichmäßig verteilt. Im zurückliegenden Fünfjahresmittel wurde Triticale auf knapp 400 000 ha angebaut, die durchschnittliche Erntemenge von rund 2,5 Mio. t entspricht 6% der deutschen Getreideernte. Die Bundessortenliste führt aktuell 61 Sorten, überwiegend Wintertriticale. Aufgrund seines gut passenden Aminosäureprofils wird Triticale vorwiegend als Tierfutter verwendet, sein hoher Stärkegehalt ist günstig für die Bio-Ethanol-Produktion und mit seinen hohen Biomasseerträgen eignet er sich zur Energiegewinnung in Biogasanlagen.

Lesen sie den gesamten Warenkunde-Bericht im aktuellen BÄKO-magazin (4/20).